Geistlicher Impuls: Gedanken zur Corona-Krise

Gedanken zu der Frage, wie wir alle wohl durch die Corona-Krise kommen

von Ricarda Reker-Nass

Zunächst einmal steht es uns Christen wohl an, mit Gottvertrauen auf das zu blicken, das vor uns liegt. Damit meine ich eine Art Urvertrauen, die man vermutlich von Kindheit an mitbekommt. Das heißt aber nicht, dass man sorglos in den Tag hineinleben und die Hände in den Schoß legen sollte. Nein, man kann und soll etwas tun. Zum Beispiel sich besinnen auf Fähigkeiten, die man vielleicht lange nicht bemüht hat. Sich in Geduld üben. Achtsam sein mit sich und anderen. Diszipliniert sein, seinem Tag eine Struktur geben, sich nicht hängen lassen. Nähe zu seiner Familie und seinen Freunden herstellen, auch wenn man sie körperlich nicht in der Nähe hat. Nicht verzweifeln, sondern sich und anderen Mut zusprechen. Kreativität (wieder) entfalten. Alles nur Beispiele, die Liste ist verlängerbar.

Und dann stellt sich die Frage, ob wir nicht auch etwas lernen können, etwas mitnehmen aus dieser Situation des völligen Herunterfahrens aller Lebensbereiche. Kann es nicht sein, dass wir wieder wissen, was Zur-Ruhe-Kommen bedeutet? Dass wir die vielfältigen Beziehungen, die unser Leben prägen, wieder als nicht selbstverständliche Bereicherung wahrnehmen? Dass wir merken, wie sehr wir uns am Kaufen-Können, am Abgelenkt-Werden, am Unterhalten-Werden orientiert haben, sodass wir uns gar nicht mehr auf das Wichtige in unserem Leben konzentrieren konnten? Ist das Wachsen der Wirtschaft wirklich unser Fetisch? Oder könnte es auch ein anderes Umgehen mit der Natur, mit den Ressourcen geben?

Ich persönlich empfinde diese Krise wie ein plötzlich hochgehaltenes Stoppschild. Halt! So nicht weiter! Denkt nach! Ändert euer Verhalten! Lernt!

Und dieses Lernen ist nach erstaunlich kurzer Zeit zu beobachten: Statt sich zurückzuziehen, kümmern sich Menschen umeinander. Und sei es am Telefon oder per Mail. Das gibt Hoffnung.

Zum Schluss ein Satz, den ich in der letzten „Zeit“ gelesen habe. Ein Pastor sagte sinngemäß: „Nicht der Tod ist das Schlimmste, sondern die Einsamkeit.“ Lassen wir es nicht zu, dass unser immer mehr Raum einnehmender Individualismus uns in die Lieblosigkeit treibt. Die ist die Schwester der Einsamkeit.