Himmelsgedanken - Juni 2024

 

Sehnsucht nach Meer/mehr

 

In den sozialen Netzwerken tauchen sie immer wieder auf: Fotos vom Meer. Dünen, Sonnenuntergänge, Watt und Möwen. Für mich sind das Bilder, die ein Urlaubsgefühl hervorrufen.

Einer, dem ich folge, lebt an der Nordsee. Fast täglich stellt er Bilder von seinem "Wohnzimmer" ins Netz: Deiche mit grasenden Schafen, Salzwiesen und die endlose Weite der Nordsee.
Wenn ich die Bilder sehe, kommt in mir immer diese Sehnsucht auf: "Ich will dahin! Jetzt!" Ich will Salzgeruch in der Nase haben, den Wind im Haar spüren und ein Matjes-Brötchen essen. Will barfuß durchs Watt tapsen und auf das Meer warten.
Mit dieser Sehnsucht ist das Gefühl verbunden, den Alltag, mit all dem, was ihn ausmacht, hinter mir zu lassen, zur Ruhe zu kommen und eine neue Perspektive zu finden.

Sehnsucht; ich mag das Wort und auch das Gefühl, weil es mich herausfordert, mich aufschreckt. Da muss es noch mehr geben. Der Alltag, der mich umgibt, verlangt nach Veränderung.
So einfach ist das aber nicht. Ich kann nicht mal eben meine Koffer packen und ans Meer fahren.
Sehnsucht kann nicht immer sofort gestillt werden, sie muss ausgehalten werden können.

Aber Sehnsucht macht unruhig und ist vielleicht der Motor, in dieser Welt etwas zu verändern, denn Sehnsucht zeigt mir auch, dass das Leben hier nicht perfekt ist, dass das hier noch nicht der Himmel ist.

Sehnsucht nach Himmel kennen wir vermutlich alle irgendwie, auch wenn wir es vielleicht nie so benennen würden. Für mich ist es das Gefühl von „nach Hause zu wollen“, und dem Wunsch nach "alles wieder gut", auch ohne, dass ich mich dafür verausgaben muss.
Das Gefühl riecht nach Geborgenheit und Vanillepudding und erinnert sehr an Kindheit.

Wir alle ahnen, dass diese Sehnsucht hier nie ganz gestillt werden kann.
Aber, da kommt noch was.

Die Sehnsucht zwingt mich etwas zu tun, wenn ich nicht ans Meer fahren kann, muss es eben die Runde um den Emssee oder die Wanderung im Teutoburger Wald sein.
Die Sehnsucht lockt mich heraus aus meinem Alltag und dieser verändert sich.

Und die Sehnsucht nach Himmel? Lädt uns ein, uns mit dem Glauben auseinander zu setzen. Lädt uns zum Gott-Suchen und Finden ein. Fragt nach, was wir brauchen und macht uns den Blick weit, denn auch wenn ich nicht am Nordseestrand stehe, kann ich mir den Kopf durchpusten lassen; auch wenn es noch nicht Himmel ist, gibt es auch hier und jetzt himmlische "Alles-gut-Momente" und Vanillepudding.

 

Sandra Reimann, Prädikantin  

 

Bild: pixabay Henning_W

Sandra Reimann

Als Krankenschwester ist Sandra Reimann immer nahe bei den Menschen. In ihrer Freizeit hält sie als Prädikantin Gottesdienste, schreibt immer wieder geistliche Texte wie diese Andacht und hat bis zum März 2024 als Presbyterin im Leitungsteam der Kirchengemeinde mitgewirkt.